Liebeskrank – Teil 20

Diese Nacht schlafe ich wie ein Kind.
Tief und fest.
Eng gekuschelt an Frank.
Spüre seine Wärme.
Und mehr als das.
Ich bin glücklich.
Traumlos glücklich.
Nur Glücksgefühl.
Geborgenheit.
Voller Zuversicht.
Und die Gewissheit, hier bei Frank gut aufgehoben zu sein.
Ein Mann, der mich annimmt wie ich bin.
Der sich verzweifelt Sorgen macht, ich könnte ihn verlassen.
Der sogar von einem Kind mit mir träumt.
Einem Kind, das es aber wohl nie geben wird.
Aber das sag ich ihm jetzt nicht.
Noch nicht.
Das hat Zeit.
Auch wenn Franks Augen neulich geleuchtet haben, als ich ihm von Stefans Mädchen erzählt habe.
Ich habe gespürt, wie er aufblühte.
Innerlich.
Irgendwann werden wir darüber reden.
Werden das klären.
Ganz sicher…

Ich höre den Wecker läuten.
Meine Hand tastet auf die Konsole um ihn abzudrehen.
Frank ist schneller.
Halb auf mir liegend steckt er den Wecker ins Nachtkästchen.
Wo er ganz leise weiterläutet.
Etwas erstaunt blicke ich Frank ins Gesicht.
Aber bevor ich etwas sagen kann, strahlt er mich wieder an.
Küsst mich.
Schält mich aus dem Pyjama.
Und Minuten später wälze ich mich mit ihm in unserem Bett.
Halb unwillig kann mich zunächst kaum auf die Liebe konzentrieren.
Oder darüber den Kopf schütteln, dass Frank morgens um 6:30 Uhr solche Einfälle hat.
Einfälle, die mein Tageskonzept völlig aus dem Rhythmus bringen.
Und trotzdem bin ich dann schnell erregt…
Danach nur mehr Zeit fürs Duschen.
Kein Kaffee.
Aber wenigstens bin ich heute gerade noch pünktlich in der Arbeit.
Nicht auszudenken, wenn ich schon wieder zu spät gekommen wäre.
Nicht wegen meines Chefs.
Aber meinetwegen.
Ich hasse Unpünktlichkeit.
So spritzig die fünfzehn Minuten in der Früh auch waren:
Könnte er sich solche spontane Ideen nicht für das Wochenende aufheben?
Wenn es egal ist, ob wir morgens Sex haben oder nicht?
Und trotzdem muss ich lächeln.
In der Vergangenheit hatte ich manchmal Zweifel, ob ich Sex jemals wieder genießen könnte.
Aber jetzt weiß ich es besser…

Gaby meldet sich am Nachmittag.
Ihre Stimme klingt seltsam hohl.
Ihre Fragen kommen banal und nichts sagend.
Irgendwie abwesend.
Ich bohre nach.
Was ist los?
Weswegen rufst du an?
Gaby lässt sich bitten.
Und ich spüre ihre Anspannung.
Ich hab von Gabriel gehört.
Ihre Stimme flackert.
Sofort bin ich auf der Hut.
Gabriel interessiert mich nicht.
Ich hab mit ihm abgeschlossen.
Und ich bin auch nicht für ihn verantwortlich.
Während ich das sage, ärgere ich mich schon über mich.
Dass ich sofort in die Defensive gegangen bin.
Das wäre nicht notwendig gewesen.
Gaby versucht mich zu beruhigen.
Das weiß ich ja.
Aber er erzählt halt rum, dass du ihn nur benutzt hast.
Dass dir seine Freundschaft recht war, solange du Frank nicht kanntest.
Und jetzt wäre er nicht mehr gut genug für dich…
Ich muss den Kopf schütteln angesichts dieses Unsinns.

Was schlägst du vor, dass ich tun soll?
Ein Inserat in der größten Tageszeitung aufgeben.
Entgegnung:
Ich habe Gabriel nie benutzt.
Vielmehr er mich.
Und den Kontakt habe ich zu ihm abgebrochen, weil mich diese Missbeziehung kaputt gemacht hat.
Lange bevor ich Frank kannte.
Ich hole tief Luft.
Gaby.
Ich kann nicht ändern, was dieser Mensch über mich erzählt.
Es hat auch keinen Sinn.
Aber jetzt weiß ich umso besser, dass er ein sonderbarerer Kerl ist.
Tut sich selber leid.
Verdreht die Tatsachen.
Und zerstört mit seinen Lügen alles, was wir gemeinsam an Schönem erlebt haben.
Ich will nichts mehr mit ihm zu tun haben.

Gaby schluckt am Telefon.
Willst du nicht doch mit ihm reden?
Er kommt nicht klar damit, was sich die letzten Monate verändert hat.
Er tut mir leid.
Wirklich.
Ich spüre, wie ich ärgerlich werde.
Misch dich bitte nicht in mein Leben ein.
Und was soll ich mit Gabriel schon reden?
Mein Gott, es ist vorbei.
Was immer uns verband.
Was denkst du denn, was er hören möchte?
Glaubst du, es genügt ihm, wenn ich ihm sage:
Wir können ja Freunde bleiben?

Energisch klopfe ich mit den Knöcheln auf meinen Schreibtisch.
Verleihe meinen Worten Nachdruck.
Verstehst du, Gaby.
Er und ich – wir sind keine Freunde mehr.

© Vivienne

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