Ein Eintrag ins Tagebuch – Teil 3

Ich bin niedergeschlagen.
Vieles läuft nicht so.
Nicht, wie ich es mir wünsche.
Ich habe die Nase voll.
Im wahrsten Sinne des Wortes.
Der Schnupfen kommt wieder.
Meine Nase läuft.
Und ich spüre Aggressionen in mir.
Aggressionen, die ich kaum in Worte kleiden kann.
Heute würde ich mit jedem streiten.
Wegen Banalitäten.
Nur um des Streites willen.
Um mir Luft zu verschaffen.
Mir ist, als schleppte ich Steine mit mir.
Schwere Steine.
Und sie werden immer mehr…

Nichts beruhigt mich heute.
Nicht Kaffee.
Nicht Schokolade.
Der Kopf tut mir weh.
Ich fühle mich wie ein Dampfkochtopf.
Dessen Inhalt zu kochen beginnt.
Aber das Ventil ist zugedreht.
Der Dampf kann nicht entweichen.
Er staut sich im Inneren des Kochtopfs…
Ich wage nicht daran denken, was passiert.
Wenn das so weitergeht.
So viel sammelt sich in mir.
Aufgestaute Wut.
Aus einigen Jahren.
Ich bin nicht der Mensch, der hinnimmt.
Ich bin nicht der Mensch, der vergisst.
Nein.
Das am Allerwenigsten.
Ich merke mir alles.
Aber die Leute reden nicht mit mir.
Sie reden sich nicht aus mit mir.
Über das, was falsch gelaufen ist.
Sie schweigen lieber.
Oder sie rennen  davon.
Also stauen sich heftige Gefühle in mir.

Ich bin hart.
Ich gebe es zu.
Härter als noch vor ein paar Jahren.
Man verändert sich.
Zwangsläufig.
Mit der Umwelt.
Mit den Menschen, mit denen man zu tun hat.
Sie prägen.
Erfahrungen sind wie Tatoos.
Die sich in die Seele brennen.
Man wird sie nicht mehr los.
Nicht mehr wirklich.
Bisweilen kämpft es in mir.
Hat es Sinn, so hart zu sein?
Es bleibt mir aber nichts anderes übrig.

Ich muss mich abschotten.
Gegen die Menschen, die nicht dazulernen.
Die immer wieder ihre Grenzen ausloten wollen.
Auch bei mir.
Nicht vergessen ist lernen!
Auch wenn man hart wird:
Ich schütze mich nur.
Manch einer ist unverbesserlich.
Dagegen muss ich mich wappnen…

Nichts kann mich heute besänftigen.
Gar nichts.
Missverständnisse…
Wir sprechen dieselbe Sprache.
Und meinen doch alle etwas anderes.
Manchmal muss ich darüber schmunzeln.
Heute bin ich frustriert deswegen.
Mehr als das.
Wir sind doch alle Individuen.
Einzelkämpfer.
Und messen an unseren Erwartungen die anderen.
Und ihre Reaktionen.
Hab ich mich falsch ausgedrückt?
Oder falsch verstanden?
Ich möchte mich heute nicht mehr damit befassen.
Ich möchte nicht mehr denken.
Und falle doch immer tiefer ins Grübeln.
Kein Tag für mich…
Kein Abend zum Entspannen.
Und die Musik aus dem Radio nervt…

Vivienne

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