Ein Eintrag ins Tagebuch – Teil 17

Ich sitze vor dem Haus.
Lasse mich von der Sonne bescheinen.
Es ist so warm geworden.
Und dieser Hauch von Herbst in den letzten Wochen.
Er ist verschwunden.
Obwohl es gewittert.
Und dann regnet.
Bisweilen sogar beides…
Wie gestern.
Am späten Nachmittag.
Ein blasser Regenbogen stieg über dem Horizont auf.
Während es wie aus Kübeln goss.
Und am blauen Himmel schien die Sonne …
Manchmal kann auch Regen schön sein.
Oder zumindest angenehm.
Am Abend war es aber ganz trocken…

Georg holte mich kurz vor sieben.
Gestern.
Und er überreichte mir einen Strauß Rosen.
Cremefarben.
Sie dufteten wunderbar.
Wie lange hat man mir keine Blumen geschenkt…!
Ich war ganz weg.
Und sehr nervös.
Ich merkte es schnell.
Meine Hände zitterten beim Angurten…
In dem Lokal gefiel es mir.
Wir saßen wirklich im Gastgarten.
Ich hatte keinen Hunger.
Bestellte mir dann aber doch etwas.
Wir redeten über den Tag.
Bis Georg geschickt das Thema wechselte.
Ich möchte dir sagen, was war.
Warum ich ohne ein Wort ging.
Und ich dich trotzdem so vermisst habe.
Wirklich.
Ich sah Georg an.
Und das er mit sich kämpfte.
Mühevoll Worte suchte…
Weißt du…
Ich hatte eine schwere Phase.
Ich war sehr depressiv.
Darum habe ich mich zurückgezogen.
Nicht weil ich genug von dir hatte.
Sondern weil ich ärztliche Hilfe brauchte…

Ich habe seither viel darüber nachgedacht.
Über Georgs Worte.
Schon an dem Abend.
Auch ich trage viele Abgründe in mir.
Ich weiß, wie es ist.
Wenn in der Seele Regen niedergeht.
Ein Eisregen.
Hab ich je so gelitten wie er?
Ich weiß es nicht.
Schmerz ist subjektiv.
Jeder empfindet ihn anders.
Auch wenn er in der Seele tobt…
Ich habe nicht viel gesagt.
Nicht viel mehr als.
Schon gut.
Wieso sollte ich denn schon beharren?
Justament?
Kein Schmerz des Körpers kann sich vergleichen.
Mit dem Schmerz und dem Leid der Seele.
Das ist die wahre Hölle.
Schlimmer als tausend Nadelstiche…

Georg hat mich heimgebracht.
Kurz vor zwei Uhr früh.
Er wirkte gelöst.
Gelöst nach dem Geständnis.
Erleichtert durch meine Reaktion.
Im Auto hat er mich noch Minuten umarmt.
Dann stieg ich aus.
Mit meinen Rosen.
Die so süß dufteten.
Georg wird sich wieder melden.
Ich weiß es.
Obwohl er es nicht erwähnt hat.
Nicht explizit.
Ich war ein wenig aufgedreht.
Von zwei Achterl Roten.
Und einem Glas Prosecco.
…und wie viele Zigaretten waren es?
Ich habe nicht mehr gezählt.
So viele wie nie zuvor!
Aber zum ersten Mal hat Georg sie mir angezündet…

Vivienne

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